Die Entscheidung ist gefallen: Emden bekommt einen neuen Marinehafen. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies haben heute in Emden die entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet. Am Rysumer Nacken soll in den kommenden Jahren ein neuer Marinestandort entstehen. Nach Möglichkeit soll der Hafen Anfang der 2030er-Jahre einsatzbereit sein. Langfristig sind bis zu 2.000 Dienstposten vorgesehen.

Für Wilhelmshaven ist das eine Nachricht, die man genauer betrachten sollte.

Denn klar ist: Wilhelmshaven bleibt ein zentraler Standort der Deutschen Marine an der Nordsee. Bislang befindet sich hier der einzige Marinehafen der Bundeswehr an der Nordseeküste. Dazu kommen das Marinearsenal und weitere wichtige Einrichtungen der Bundeswehr.

Dass nun in Emden ein weiterer Hafen aufgebaut wird, sehe ich deshalb nicht als Konkurrenz. Zusätzliche Infrastruktur kann die Marine insgesamt leistungsfähiger und flexibler machen und im Ernstfall auch den Standort Wilhelmshaven ergänzen.

Die Marine benötigt in Emden nach den aktuellen Planungen unter anderem Liegeplätze für Fregatten, Minensuchboote und Schlepper. Hintergrund ist der geplante Aufwuchs der Marine und die veränderte sicherheitspolitische Lage. Pistorius verwies heute darauf, dass ein zweiter Hafen die operativen Möglichkeiten der Marine erweitern soll.

Und genau hier liegen auch Chancen für Wilhelmshaven.

Wenn die Marine wächst, steigt auch der Bedarf an Dienstleistungen, Technik, Logistik, Wartung, Handwerk und Zulieferern. Davon können Unternehmen aus Wilhelmshaven und Friesland profitieren.

Unsere Region bringt dafür vieles mit: einen starken Hafen, maritime Unternehmen, erfahrene Fachkräfte und eine enge Verbindung zur Bundeswehr.

Dass Niedersachsen dieses Projekt gemeinsam mit dem Bund vorantreibt, ist dabei ebenfalls ein wichtiges Signal für die gesamte Küste. Ministerpräsident Olaf Lies hat heute gemeinsam mit Boris Pistorius die Absichtserklärung unterzeichnet. Die Umsetzung des Projekts soll über die landeseigene Hafeninfrastrukturgesellschaft Niedersachsen Ports erfolgen.

Für Wilhelmshaven bedeutet das: Wir sollten diese Entwicklung aufmerksam begleiten und unsere eigenen Stärken einbringen.

Denn mit neuen Arbeitsplätzen und zusätzlichen Investitionen wächst auch der Bedarf an Wohnraum, Verkehrsanbindungen und einer leistungsfähigen Infrastruktur. Das betrifft nicht nur Emden. Auch Wilhelmshaven und Friesland können von einer wachsenden maritimen Wirtschaft profitieren.

Gerade bei der Zusammenarbeit zwischen den Städten und Landkreisen liegt noch Potenzial. Wilhelmshaven und Emden müssen nicht gegeneinander arbeiten. Wenn beide Standorte ihre jeweiligen Stärken einbringen, kann daraus ein stärkeres maritimes Netzwerk an der Nordseeküste entstehen.

Wilhelmshaven verfügt bereits über das Know-how, die Unternehmen und die Infrastruktur, die für den weiteren Aufwuchs der Marine gebraucht werden. Diese Ausgangslage sollten wir nutzen.

Für unsere Stadt geht es dabei nicht nur um mögliche Aufträge. Es geht auch um Fachkräfte, Ausbildung und die Frage, wie wir jungen Menschen berufliche Perspektiven in einer Region bieten können, deren maritime Bedeutung weiter wächst.

Jetzt kommt es darauf an, diese Entwicklung aktiv zu begleiten.

Wilhelmshaven sollte seine Interessen vertreten und gemeinsam mit den Nachbarregionen daran arbeiten, dass neue Investitionen möglichst viel Wertschöpfung in der Region erzeugen.

Die Nordseeküste wird für Deutschland sicherheitspolitisch und wirtschaftlich wichtiger. Der neue Marinehafen in Emden ist dafür ein weiteres Zeichen.

Wilhelmshaven ist dabei mittendrin.

Wir haben allen Grund, unsere eigenen Stärken selbstbewusst zu zeigen und die Chancen zu nutzen, die sich aus dieser Entwicklung ergeben.

Ein zweiter Marinehafen in Emden macht Wilhelmshaven nicht kleiner. Er kann dazu beitragen, die maritime Bedeutung unserer gesamten Region weiter zu stärken.